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Texte zu Kunst und Philosophie
ISSN 1437-3777

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Josef Bordat: Friedrich Nietzsche, Lou Salomé und Paul Rée. Eine Dreiecksbeziehung. Saarbrücken, 2007

Vor 125 Jahren durchlebte der Philosoph Friedrich Nietzsche eine aufregende, aber zugleich schwere Zeit. Daran soll der folgende Artikel erinnern, der die Ereignisse im Jahre 1882 um die Dreiecksbeziehung von Nietzsche, Lou Salomé und Paul Rée zu rekonstruieren versucht.

I.

Unbekannt: Friedrich Nietzsche. 1864.

Eifersucht und Dreiecksbeziehungen ziehen sich durch Nietzsches Leben.

So war er zunächst hinter Richard Wagners Frau Cosima her, die ihm von "glücklichen A-Dur-Stunden" in seiner Gesellschaft berichtet hatte, damit aber nur die intellektuell anregenden Gesprächen mit dem Philosophen meinte, nicht etwa mehr. Am 6. April 1874 schrieb sie an den verehrten, aber nicht geliebten Nietzsche: "Heiraten oder eine Oper komponieren, eines würde Ihnen so gut wie das andere helfen." Später, im beginnenden Wahn, raubt Nietzsche (der sich als "Dionysos" selbst verklärt) dem alten Freund - und späteren Feind - Wagner (alias "Theseus") in der Phantasie die Braut Cosima ("Ariadne"). So traurig kann unglückliche Liebe enden! (1)

Eine ganz besondere Konstellation war die Dreiecksbeziehung zwischen dem Philosophen, der jungen russischen Theologin und Philosophin Lou (Andreas-)Salomé (2) und dem Philosophen Paul Rée, die sich in Nietzsches Schicksalsjahr 1882 hoffnungsvoll entwickelt und sich rasch zu ungeahnter Intensität aufschwingt, jedoch schließlich (mit) dazu führt - so meine These -, dass Nietzsche in völliger Verzweiflung zusammenbricht. Ich möchte sie im folgenden Beitrag skizzieren.

II.