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Texte zu Kunst und Philosophie
ISSN 1437-3777

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Werner Brück: Besprechung zu: Danto, Arthur C.: Abbildung und Beschreibung. -in: Boehm, Gottfried (Hrg.): Was ist ein Bild.

1. Vorbemerkungen

In der vorliegenden Arbeit sollen die Ausführungen Arthur C. Dantos in seinem Aufsatz "Abbildung und Beschreibung", der 1982-83 zum ersten Mal in englischer Sprache erschien, behandelt werden. (1) Ich hoffe, die Gedanken Dantos klar darzulegen und mit einer eventuellen Kritik, die vor allem auf die Auffassung Wittgensteins durch Danto zielt, wie sie in zahlreichen Tractatus-Zitaten Dantos zu Tage tritt, Dantos Intentionen nicht zu verfehlen.

2. Mimesis und Diegysis - Entfaltung der Kernfrage

Gleich auf der ersten Seite seines Aufsatzes unterscheidet Danto zwei Arten der Darstel-lung; ich nenne sie hier "Darstellung A" und "Darstellung B": Darstellung A ist das wesentliche Moment der Bildverwendung im Gegensatz zur erweiter-ten Darstellung B, die in der Wortsprache zur Geltung kommt, und die aber auch Charakte-ristika der Darstellung A beinhalten kann. Das heißt, um das Ganze ein wenig zu erläutern, daß wir Darstellung A mit einer unmittelbaren Handlungswiedergabe vergleichen können, wie sie der Schauspieler auf einer - in den Hintergrund tretenden und nicht selbst thematisier-ten - Bühne vornimmt.(2)

Darstellung A ist also eine mehr oder weniger mimetisch charakterisierte Darstellungsart, die um ein gewisses Maß an Naturalismus bemüht ist, wie auch um eine möglicht perfekte illusionistische Darstellung eines Dargestellten welcher Art auch immer; Danto beansprucht diese Darstellung A gleich von Anfang an für die sogenannte "bildliche" Darstellung, dh. für Portraits von Menschen, oder auch visuellen Strukturen zur Darstellung von Handlungszu-sammenhängen, z.B. das Verhalten eines in Tätigkeit begriffenen Schauspielers auf der Büh-ne. (3)

Diese bildliche Darstellung nennt Danto nach Platon "Mimesis". Mimesis kann im oben gegebenen Fall in der bildlichen Darstellung erfolgen, wobei sich hier ein sprachliches Ab-grenzungsproblem zur mimetischen Verwendung von Wörtern ergibt, welches noch dadurch verstärkt wird, daß Mimesis auch auf Wortebene stattfinden kann. Was die Wortebene be-trifft, so werden die Möglichkeiten der Darstellung gleich durch sogenannte "diegetische" Darstellungsmöglichkeiten, das Substantiv heißt "Diegysis", erweitert. Die Vereinigung von mimetischen und diegetischen Darstellungsmöglichkeiten konstituieren die "Darstellung B", die Darstellung im erweiterten Sinn.

Darstellung A ist also charakteristisch für bildliche Darstellung, dh.: Bilder müssen sich den Maßstäben und Möglichkeiten der Mimesis unterwerfen, während die Wortsprache sich der erweiterten Möglichkeiten von Abbildung und Beschreibung, also Mimesis und Diegysis, also Darstellung A und Darstellung B bedienen kann. Weil die Wortsprache sich beider Mög-lichkeiten bedienen kann - im Gegensatz zum Bild -, gilt: "Die tiefgreifende Unterscheidung zwischen den beiden Arten der Darstellung wäre uns also auch verfügbar, wenn die Bilder aus irgendeinem Grunde nie erfunden worden wären, und die Wörter unser alleiniges Mittel der Darstellung wären."(4)

Dies möchte Danto an einem interessanten Beispiel verdeutlichen: an William Hogarth. Danto bezieht sich auf dessen Kupferstiche, welche ein Vorher und ein Nachher, also eine zeitliche Abfolge von Geschehnissen und damit eine Narration implizieren, welche jedoch erst über das Sprechen über die Bilder deutlich wird. Danto hierzu: "Der reiche Gehalt dieser Kupferstiche [gemeint sind die Kupferstiche Hogarths; der Verfasser] muß ... herausgebracht werden, indem man über sie spricht." (5) Danto differenziert hier also auch wieder in die Darstellung A, die die Kupferstiche zustandebringt, und die Darstellung B, die auf Seiten des Betrachters erfolgt und dazu führt, daß das Erzählen der Bilder eigentlich eine Leistung des betrachtenden Subjektes und nicht des betrachteten Objektes ist. Daraus legitimiert sich Danto zufolge das Schaffen bedeutender Kunstkritiker, wie Lichtenberg. "Es war also nicht nur künstlerisches Unvermögen, das Lichtenberg veranlaßte, über die Bilder zu schreiben, anstatt einen Kommentar in Form von Bildern abzugeben." (5)

Um das Ganze zu verschärfen: Danto geht davon aus, daß gerade bei solchen Bildern, nämlich bei Kunstgegenständen, diegetische Darstellung an das Kunstwerk, an das Bild, durch das anschauende Subjekt herangetragen wird und diese damit eine kognitive Leistung des Subjektes ist, während das Bild in seiner bildlichen Darstellung nur etwas auf mimeti-schem Weg wiedergibt. Alles Erzählen über einen Sachverhalt, der im Bild dargestellt wird, erfolgt also durch den Betrachter. Mithin könnte man meinen, das Tun des Betrachters benö-tigte keinen Anhaltspunkt zur Legitimation aus dem Bild heraus, wenn Danto fragt: "...könnte jemand sehen, was Steinberg [ein anderer Kunsthistoriker; der Verfasser] uns zu sehen lehrte, ohne Steinberg gelesen zu haben - oder könnte er es sehen, ohne so viel wie er gelesen zu haben?"(6)

Generell enthält die Rede von der Mimesis ein wichtiges Problem: Mimesis als solche kann nur approximativ verfahren, ist also nicht in Reinform vorhanden. Mimesis ist an den Unterschied zum Abgebildeten gebunden, weil sonst der Abbildcharakter der Abbildung verloren geht und man dann fragen kann, was denn nun wessen Abbild sein soll. Danto behandelt dieses Problem vor allem im Hinblick auf Wittgenstein erst später. (7)

Weiterhin unterläßt es Danto, die an sich plausible These zu erklären, warum im Bild nur Mimesis vorliegen kann; und er stiftet auch etwas Verwirrung, wenn er im Hogath-Zitat vom "reichen Gehalt" der Hogarth-Kupferstiche spricht, der dann durch die Tätigkeit des Betrach-ters herausgebracht wird. Es stellt sich nämlich die Frage, wieweit Diegese vom Abbildenden intendiert und damit im Bild angelegt ist.(8)

"Mimesis" ist also, so wie ich Danto verstehe, lediglich das "Zeigen" von etwas, das auf etwas anderes referiert; "Diegysis" stellt dann das "Sagen" dar, was dargestellt ist.

Hier setzt Dantos Wittgenstein-Lektüre ein. Danto überträgt den Begriff der "Mimesis" auf Wittgensteins Elementarsätze im Tractatus.(9) Diese Elementarsätze sollen die Tatsachen, das sind wahre Sachverhalte, die sich zu komplexeren Sachlagen verdichten können, "zeigen". "Diegysis" bezeichnet dann die Komplexe von Sätzen, die diese Tatsachen "aussagen". (10) Die Begriffe "zeigen" und "sagen" bedürfen, wendet man sie auf Mimesis und Diegysis an, einer Erklärung. Dazu wird im folgenden Stegmüller herangezogen, der in "Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie" mit Hilfe von E. Stenius eine kurze Einfüh-rung in den Tractatus gibt. (11)

Stegmüller unterscheidet eine syntaktische und eine semantische Komponente der Abbild-theorie Wittgensteins: "Wir verstehen den Sinn eines Satzes dadurch, daß wir ihn als isomor-phes Bild des durch ihn beschriebenen Sachverhaltes auffassen. Der Satz zeigt seinen Sinn (= deskriptiven Gehalt), d.h. wir lesen aus seiner äußeren Struktur die entsprechende äußere Struktur des Sachverhaltes ab."(12) Dieses Zeigen der äußeren Struktur eines Sachverhaltes nennt Stegmüller "zeigen e". (13)

Dieser syntaktischen Abbildtheorie stellt Stegmüller eine semantische Abbildtheorie Wittgensteins, ebenfalls im Tractatus zu finden, gegenüber, welche sich mit der Entsprechung der inneren Struktur der Sprache und der inneren Struktur der durch sie beschriebenen Wirklich-keit beschäftigt. Diese sei abhängig von der im Tractatus vorhandenen Ontologie Wittgen-steins. Das Zeigen der inneren Struktur der beschriebenen Sachverhalte durch die innere Struktur der diese beschreibenden Sprache wird von Stegmüller mit "zeigeni" bezeichnet. Der Index "i" steht hier für "intern", im Gegensatz zum Index "e" für "extern". Zeigen i findet statt unter der Voraussetzung, daß die innere Struktur des Sachverhaltes zur inneren Struktur der betreffenden Aussage korrespondiert: "Das, was ein Bild zeigti, ist die conditio sine qua non dafür, daß überhaupt ein Bild vorliegt: Die Gleichheit der kategorialen (oder inneren) Struktur von Bild und Origi-nal." (14)

Danto ordnet der mimetischen Tätigkeit zeigene zu, der diegetischen Tätigkeit zeigeni. Indem er gegen Ende des ersten Kapitels seines Aufsatzes fragt, ob Diegysis durch Mimesis ersetzbar sei, fragt er auch, ob zeigeni durch zeigene ersetzbar sei; im kunstwissenschaftlichen Kontext, um ein handfesteres Beispiel zu nennen, fragt er also, ob die semantische Analyse durch eine syntaktische Analyse ersetzbar sei: "... mein Interesse an dem Thema wäre schon befriedigt, wenn sich erweist, daß alles, was gesagt, auch gezeigt werden kann, sogar wenn es darüber hinaus Dinge gibt, die gezeigt, aber nicht gesagt werden können."(15) Warum stellt Danto sich diese Frage?

Wittgenstein, auf den Danto rekurriert, wirft gegen Ende des Tractatus seine Leiter weg, d.h. er verwirft die "diegetischen" Sätze als unsinnig, da die Beurteilung des Wahrheitswertes eines Satzes der Sprache auf sprachlichem Weg erfolgen müßte, was aber nicht funktioniert, da wir uns durch die Beurteilung unserer Sprache außerhalb unserer Sprache aufstellen wür-den - paradoxerweise um innerhalb der Sprache über unsere Sprache zu urteilen. Lediglich die mimetischen Sätze, die Elementarsätze, die die äußere Struktur der Welt darstellen, im Gegensatz zu den Sätzen, die beanspruchen, gleichzeitig noch ihre Korrespondenz mit der Wirklichkeit auszusagen im Sinn von zeigeni, lediglich die mimetischen Elementarsätze wer-den zugelassen, da diese ihre semantische Wahrheit nicht aussagen, sondern nur die syntakti-sche Struktur der durch sie beschriebenen Wirklichkeit zeigen wollen. Danto fragt also - ge-mäß dieser Wittgensteinschen Auffassung -, ob denn die mimetischen Sätze, d.h. die Witt-gensteinschen Elementarsätze, ausreichen, um "allen unseren Anforderungen an die Darstel-lung Genüge" zu tun. (16)

3. Resumée der Problementfaltung

Ausgehend von Platon und Wittgenstein differenziert Danto zwei Arten der Darstellung, die er, der Terminologie Platons folgend, mit "Mimesis" und "Diegysis" bezeichnet. Da Mi-mesis in der Terminologie Wittgensteins "zeigen", im Sinne des Stegmüllerschen "zeigene" bedeutet, also der syntaktischen Abbildtheorie Wittgensteins zuzurechnen ist, wird für das erweiterte Darstellen der Diegysis das interne, inhaltlich-semantische "zeigeni" gebraucht.

Diese Unterscheidung, herrührend von Platons "Programm der Zensur der Dichtung"(17) , ist dort zunächst auf die Satzbedeutung beschränkt, wird aber von Danto auch auf bildkünst-lerische Werke und damit auf den Bildbegriff im allgemeinen übertragen.(18) Danto fragt dann, ob die inhaltliche Beschreibung und Erklärung von Bildern ersetzbar sei durch ein Sy-stem von mehr oder weniger elementaren Sätzen über die externe Struktur der Bilder.(19) Die scheinbare Notwendigkeit einer solchen Ersetzung begründet er mit dem Verwerfen einer semantischen Abbildung durch Wittgenstein. Aktuell ist diese Fragestellung meiner Meinung nach vor allem vor dem Hintergrund des Positivismus' zur Zeit des Wiener Kreises und Witt-gensteins, der syntaktisch-formalstrukturanalytischen Betrachtung von Kunst, (20) damit einhergehend einer auf Formen und Kolorit spezialisierten Stilgeschichte und der Gefahr des Sich-Verlierens in bloßen Äußerungen über Form und Farbe innerhalb einer, wie Sedlmayr es nennen würde, "ersten Kunstwissenschaft". (21)

Jedoch: zu dieser Problemstellung der Ersetzung ist zu sagen, daß, wenn man schon bei Wittgenstein bleibt, gerade das Programm der Ersetzung von Diegysis durch Mimesis verfehlt sein müßte, da Wittgenstein in seinen späteren philosophischen Versuchen sich ja von der Annahme einer Begründung der Elementarsätze abwendet.

4. Immanentismus

Einerseits bedeutet, sich auf mimetische Elementarsätze zu beschränken, Sprache als In-strument zur Beurteilung von Sätzen über die Welt und zur Beurteilung der Wahrheit der Sät-ze über die Welt zu verwerfen. Andererseits bedeutet dies wiederum, eigentlich auch auf Elementarsätze verzichten zu müssen, was semantische Wahrheit anbelangt, weil diese nur die externe Struktur der Welt zeigen, jedoch nicht aussagen. Danto sieht hierin das Problem, Sprache mit Welt in Beziehung zu setzen, mit Sprache und Sätzen auf Welt zu referieren.

Eine scheinbare Lösung für dieses Problem sieht Danto im Immanentismus, den er von Platon an bis in unsere Zeit verfolgt. Danto hebt in puncto Platon hervor, daß für diesen "Mimesis" nicht nur formal-syntaktisch agiert, sondern auch der semantische Gehalt auf in-terne Weise repräsentiert wird. "Da alle Worte des Feiglings im Munde des Schauspielers, der den Feigling darstellt, in diesem buchstäblichen Sinne gegenwärtig sind, scheint es klug, den Bereich der Mimesis ausschließlich auf die Worte des Guten und Tapferen zu beschrän-ken." (22)

Daraus, und aus einer im folgenden nicht weiter von mir charakterisierten Differenzierung durch Descartes 823), nebst einer Anwendung auf das Beispiel Alberto Giacomettis, entwik-kelt Danto auf den folgenden Seiten das Programm des Immanentismus, (24) das z.B. im Byzantinischen Reich die Auffassung einer transpolitischen Existenz von Personen zu ver-schiedenen Orten gleichzeitig beinhaltet, einfach weil in den Bildern von diesen Personen, in denen diese Personen dargestellt werden, diese Personen durch ihre Darstellung auch anwe-send sind. Man vergleiche dazu auch Ikonenmalerei: in den Bildern von Heiligen wurden die Heiligen als in ihnen anwesend verehrt. Aus diesen und den dazu komplementären Auffas-sungen entwickelte sich dann der sog. "Bilderstreit" im Byzantinischen Reich, der von diver-sen Konzilen, so z.B. vom Konzil von 757 unter Konstantin dem Fünften, behandelt wurde.

Die Auffassung der Immanenz des Dargestellten in seinem Abbild sieht Danto, trotz zeit-weiligem Verblassen durch das Nachlassen der Kontroverse um die Bilder z.B. nach der frz. Revolution oder im 19./20. Jahrhundert (25), immer noch vorhanden in der Rede vom "Inhalt der Bilder". (26) Diese bringt Danto zufolge Verwirrung, so daß einerseits unterschieden wer-den muß in das, wovon ein Bild ein Bild ist (funktional) sowie wessen Bild ein Bild ist (possessiv), andererseits der Begriff des "Mediums" als Darstellungsform oder -qualität von Abbgebildetem, im Unterschied zur Zeichenbedeutung, die dem Bild unterliegt. (27)

Danto versucht nun, Immanentismus auch im Tractatus Wittgensteins nachzuweisen; und zwar setzt er voraus, daß Wittgenstein in seinem Tractatus eine immanentistische Theorie zugrundelegen wollte. (2(9 Danto stützt sich hierbei auf den Satz "In Bild und Abgebildetem muß etwas identisch sein, damit das eine überhaupt ein Bild des anderen sein kann" (29), sowie auf den Satz: "Der Satz teilt uns eine Sachlage mit, also muß er wesentlich [Hervorhebung durch Wittgenstein; d.V.] mit der Sachlage zusammenhängen." (30)

Danto bewegt sich von der Basis der Unterscheidung von Mimesis und Diegysis sowohl innerhalb der Wortsprache, als auch zwischen Wortsprache und Bildern im Sinne mehr oder weniger gegenstandsbezogener Darstellungen auf Wittgenstein zu. Das bildliche Verstehen macht es Danto zufolge möglich, Sprache auf Welt zu beziehen in dem Sinn, daß Sprache semantisch interpretierbar sei. Für Danto ergibt sich daraus die Annahme, Wittgensteins Tractatus sei platonistisch zu verstehen, wenn Danto schreibt, daß Wittgenstein im Tractatus eine Erklärung für eine Theorie der nichtkonventionellen Beziehung zwischen Sprache und Welt gebe, "wie sie platonischer kaum sein könnte." (31)

Danto bezieht sich im weiteren auf einen nur fragmentarisch wiedergegebenen Satz Witt-gensteins: "'Was das Bild mit der Wirklichkeit gemein haben muß, um sie ... [sic!] abbilden zu können, ist seine Form der Abbildung.' Und überdies (in 2.18): 'Was jedes Bild, welcher Form immer, mit der Wirklichkeit gemein haben muß, um sie überhaupt - richtig oder falsch - ab-bilden zu können, ist die logische Form, das ist, die Form der Wirklichkeit.'" (32)

Danto schließt aus den beiden oben zitierten Sätzen: "Demnach ist die Form dem propor-tionalen Bild und der bildhaften Tatsache immanent: Sie hat an beidem teil, wie die Form des Bettes (bei Platon) den Betten und den Bildern von Betten immanent ist." (33) Danto geht also davon aus, daß bei Wittgenstein die Form eines Gegenstandes dem Gegenstand wie auch dem Bild des Gegenstandes immanent sei. In dieser gegenständlichen Fassung berücksichtigt Danto aber nicht, daß Wittgenstein auf die logischen Formen von Sachverhalten abzielt, d.h. auf die syntaktische Darstellung von Sachverhalten mit Hilfe der logischen Struktur der Spra-che. Wittgenstein benutzt nicht den Begriff der "gegenständlichen Form". Deswegen schreibt Wittgenstein in dem fragmentarisch wiedergegebenen Satz von "auf seine Art und Weise - richtig oder falsch -"(34) , was sich im Gegensatz zur Dantoschen Lesart eher auf ein Krite-rium der semantischen Interpretierbarkeit überhaupt bezieht, egal, ob eine Interpretation jetzt die Wahrheitswerte "wahr" oder "falsch" bringen soll.

Stegmüller gibt ein Beispiel, wie der Abbildungsbegriff vor allem im Hinblick auf die "logische Form" aufzufassen sei: "logische Form" beziehe sich auf kategoriale Aspekte, nach denen z.B. R(a,b) als zweistelliger prädika-tiver Ausdruck nicht mit S(c,d,e) vergleichbar sei, weil dies ein dreistelliger prädikativer Ausdruck ist. Diese verschiedenen Relationen zwischen den durch Prädikate beschriebenen Gegenständen konstituieren die logische Form, die Form, wie ein Sachverhalt als z.B. prädi-katenlogischer Ausdruck abgebildet wird. Damit ist, wie Wittgenstein in 2.17 und in 2.18 implizit betont, noch nichts über die Semantik dieser Sätze ausgesagt in dem Sinn, ob eine Abbildung die Wirklichkeit wahr oder falsch darstellt. Oder in anderen Worten: damit ein Bild einen Sachverhalt zeigte, muß es mit dem Sach-verhalt kategorial vergleichbar sein, was die externe Struktur der Abbildung und die externe Struktur des Sachverhaltes anbelangt. Es geht also um die Vergleichbarkeit als Bedingung dafür, ob eine Abbildung als solche vermutet werden kann.

Stegmüller faßt dies allgemeiner: "Es wäre ... ungerecht, wollte man dem Verfasser des 'Tractatus' den Vorwurf machen, daß er Eigenschaften und Relationen ... platonistisch deutet ... Um die Bedeutung von 'grün' zu verstehen, brauche ich nicht die platonische 'Grünheit' zu schauen, sondern muß wissen, in welchen Fällen der Prädikatsausdruck 'ist grün' anzuwenden ist und in welchen nicht. Weiß ich dies, so weiß ich, welche Dinge grün sind und welche nicht. [Hervorhebungen durch Stegmüller; d.V.]" (35) Damit ist also auch noch nichts über die Immanenz eines Sachverhaltes im Bild gesagt in dem Sinn, daß der Sachverhalt nun im Bild anwesend ist. Es wird lediglich behauptet, daß, falls eine Abbildung auf einen Sachverhalt zu beziehen ist, die kategorialen Strukturen bzw. logischen Formen beider korrespondieren müssen. Und sogar diesen Korrespondenzgedanken gibt Wittgenstein später in den "Philosophischen Untersuchungen" auf, wie Danto auch schreibt. (36)

Trotzdem ist Danto in gewisser Weise zuzustimmen, wenn er schreibt, daß eine Form dem Gegenstand wie auch seiner Abbildung immanent ist. Man muß dies aber nicht so formulie-ren, als ob sich daraus ein Platonismus ergibt. Ich denke, die Erwähnung des Bilderstreites im Byzantinischen Reich sowie der Gedanke der transpolitischen Existenz des Herrschers in sei-nen Bildern an verschiedenen Orten sowie die Darstellung der Ikonenverehrung stiften, im Zusammenhang mit Wittgenstein, Verwirrung, so daß die gerade behandelten Passagen des Danto-Aufsatzes nicht direkt klar vor Augen stehen. Halten wir also fest: Immanentismus bei Wittgenstein soll in der Rede von der - logischen - Form vorliegen, sowie im Gedanken der Darstellung der Welt im Bild. Das Bindeglied zwi-schen Welt und Bild ist in diesem Augenblick die Korrespondenz und die kategoriale Ver-gleichbarkeit, die ihre Grundlagen im Bild, aber auch in der im Bild dargestellten Welt findet.

Daraus erwächst die Frage, was denn nun die Korrespondenz logischer Formen, in Welt und Bild, beurteilt. In Dantos weiteren Ausführungen soll dies deutlich werden. Wichtig für die Rückkopplung dieser Frage an die Grundfrage des Danto-Aufsatzes, ob semantische In-terpretation durch syntaktische Darstellung ersetzbar sei, ist diese Frage allemal: wird doch hier die Begründung des Verfahrens der Abbildung durch Elementarsätze, bzw. durch syntak-tisches Zeigeni, zur Disposition gestellt.

5. Die Leistungsfähigkeit syntaktisch korrespondierender Abbildung

In zwei größeren Versuchen geht Danto auf die Frage der Abbildung durch zeigene näher ein. Der erste Versuch beschäftigt sich mit dem Begriff der "logischen Form" bei Wittgen-stein, der zweite mit der Frage nach dem psychologischen Verstehen von Bildern, das ja auch einen Grund haben muß. Zur logischen Form: ausgehend von der im Wort "ist" beinhalteten Identität zweier durch "ist" verbundener Begriffe, liest Danto den Satz 4 des Tractatus Wittgensteins, nämlich: "Der Gedanke ist der sinnvolle Satz." (37) so, "daß die logische Form des Gedankens mit der lo-gischen Form des Satzes eins ist." (38)

Nun wurde oben mit Hilfe von Stegmüller dargestellt, daß das auf die logische Form bezo-gene Zeigen als ein "zeigene" aufzufassen ist, womit ein Unterschied zum "zeigeni", dem in-ternen Zeigen gemacht ist. Danto formuliert dies so: "Wenn etwas ein logisches Bild ist, mag es zwar die logische Form dessen, was es darstellt, zeigen [im Sinn von "zeigene"; d.V.], aber es vermag nicht zu zeigen [im Sinn von "zeigeni"; d.V.], daß es selbst ein Bild ist, wenn "zeigen" bedeutet, daß sich die Form als Form kenntlich macht, - denn man müßte ja schon wissen, daß diese sich überhaupt zeigt. [Hervorhebungen von Danto; d.V.]" (39)

Hier werden wir wieder auf das Sagen zurückgeworfen: wir müssen Darstellungen einen semantischen Wert zuordnen, um auszusagen, ob es sich wirklich um Darstellungen handelt oder nicht. "Sobald wir eine Kluft erzeugen zwischen Darstellungen - Reden, Inschriften und Gedanken - auf der einen Seite (40) und Tatsachen auf der anderen Seite, werden die erste-ren Eigenschaften haben, die sie mit den Tatsachen (oder Dingen), trotz einer möglicherweise gemeinsamen Form, nicht teilen, und zwar über alle Eigenschaften hinaus, die sie als Medien unterscheiden. [Hervorhebung durch Danto; d.V.] Die Darstellungen werden einen semanti-schen Wert erhalten. Sie werden wahr oder falsch sein." (41)

Der Gedanke einer Begründung der Gültigkeit von zeigene ist also zu verwerfen, da wir hier wieder unsere Sprache benutzen müßten, um dies zu tun. Dadurch ist also auch der Ge-danke einer Begründung der Ersetzung von Diegysis durch Mimesis zu verwerfen, also des Zeigens von bildlichen Sachverhalten statt ihres Aussagens als "sinnlos" in dem Sinn, daß ihr kein Sinn wie "richtig" zugeordnet werden kann - zumindest dann, wenn man diese Begrün-dung auf dem Konzept der logischen Form, also eines Sich-Selbst-Zeigens von Wirklichkeit, aufbauen möchte.

Danto versucht nun, in einem zweiten Versuch, die psychologische Tragkraft der Annah-me, Abbildungen stellten etwas dar, zu behandeln. Dabei zeigt sich, daß es mindestens zwei - bei Danto besprochene - Herangehensweisen an die psychologische Fragestellung gibt. Danto zitiert Wittgenstein: "Einen Satz verstehen, heißt, wissen was der Fall ist, wenn er wahr ist." Dies ist ein Ausschnitt der im Tractaus in Satz 4.024 zusammengefaßten Gedanken: "Einen Satz verstehen, heißt, wissen was der Fall ist, wenn der Satz wahr ist. (Man kann ihn also verstehen, ohne zu wissen, ob er wahr ist.) Man versteht ihn, wenn man seine Bestandtei-le versteht." (42) Dieser Satz wird von Danto umgeformt in: "Ein Bild verstehen heißt wis-sen, was der Fall ist, wenn es wahr ist." (43)

Damit löst sich Danto von der semantischen Problemstellung zugunsten einer Hinwendung zur syntaktischen Konsistenz von Aussagenkomplexen, welche aus dem hypothetisch als "wahr" angenommenen Satz deduziert werden.

Um aber die semantische Leistungsfähigkeit externer Abbildungen nicht aus dem Auge zu verlieren, bringt Danto den Begriff der "piktorialen Kompetenz" ins Spiel, welchen er nicht positiv definiert, sondern nur negativierend von den Vorstellungen anderer Wissenschaftler über diesen Begriff abgrenzt. Dies tut er im Hinblick auf Elliot Sober, der "bildliches Verste-hen als die Kompetenz, Bilder in Sätze umzuformen" verstehe, "wobei das sprachliche Ge-genstück zu einem Bild eine Hypothese ist, die 'eine Person aus einem Bild ableiten würde, indem sie allein ihre piktoriale Kompetenz gebraucht.'" (44) Dadurch ist nach Danto pikto-riale Kompetenz an sprachliche Kompetenz gebunden, Diegysis durch Mimesis also nicht zu ersetzen. Dann gelte aber, daß die Menge der durch piktoriale Kompetenz abgeleiteten Hypo-thesen aus Bildern nicht so umfangreich sei wie die aller möglichen Hypothesen. Diese Dis-krepanz lasse fragen, wie nah piktoriale Kompetenz und sprachliche Kompetenz wirklich verwandt sind."(45)

Leider unterläßt es Danto m.E., die Begriffe der "piktorialen" und der "sprachlichen Kom-petenz" sowie die Art dieser Verwandtschaft ausreichend zu erklären, so daß es hier für mich größere Verständnisprobleme gibt.

Dann nähert sich Danto den Basissätzen Wittgensteins. Dazu bringt er einleitend das Zitat: "Der Satz ist ein Bild der Wirklichkeit: Denn ich kenne die von ihm dargestellte Sachlage, wenn ich den Satz verstehe. Und den Satz verstehe ich, ohne daß mir sein Sinn erklärt wur-de." (46) Später schreibt Danto dazu, daß Wittgenstein sich seiner Überzeugung nach diese Bilder als eine Art "Basisbilder" vorstellte, "deren Bedeutungen uns deshalb nicht erklärt werden müssen, weil wir sie als solche ohne eine besondere Unterweisung wahrnehmen." (Hervorhebung durch Danto; d.V.] (47) Mimetische Darstellung der Welt beruhe also auf Basisbildern, entsprechend der Protokollsätzen des Logischen Positivismus'. Dieser Gedanke wurde oben schon aufgezeigt, als für die Tätigkeit des "zeigene" Elementarsätze in Anspruch genommen wurden, die in elementarsten Einheiten die elementarsten syntaktischen Struktu-ren der Wirklichkeit abbilden sollten. "Diese Sätze, die durch die sinnliche Erfahrung oder Introspektion vollständig verifizierbar sind, erfordern für ihre Verifikation nichts, was über die unmittelbare Erfahrung hinausgeht", schreibt Danto dazu. (48)

Jedoch weist Danto, darauf hin, daß dann die auf der Grundlage der sinnlichen Erfahrung und Introspektion gebildete Bildersprache in ihrem Gehalt nicht über die durch Wahrneh-mung konstituierten Grundlagen hinausreiche. (49) Dies bedeutet, daß diese Bildersprache gegenüber Bildern wie Giorgiones "La Tempesta" nicht ausreiche, um deren dargestellten Gehalt ausreichend darstellen zu können, weil dieser diegetische Gehalt über die sinnliche Erfahrung und Introspektion hinausgeht. Nach Danto kann also Wittgensteins Theorie der Basissätze oder Basisabbildungen sowohl in sprachlicher Hinsicht - wie im Tractatus formuliert -, als auch in piktorialer Hinsicht den Gedanken einer ausschließlich diegetischen Darstellung nicht verdrängen, Mimesis Diegysis also nicht ersetzen.

Zur zweiten Herangehensweise und somit zur Frage nach dem übereinstimmenden Etwas zwischen einem Bild von x und x, also zur Korrespondenzfähigkeit syntaktischer Abbildung: zur Wahrnehmungsfähigkeit von Menschen, resp. Kindern, hält Danto fest: "Es scheint, daß wir Bilder von x genauso kodieren, wie wir x selbst kodieren, so daß wir den Unterschied zwischen dem Erkennen eines weiteren Vorkommnisses von etwas, das wir bereits wahrge-nommen haben, und dem Erkennen eines Bildes des nämlichen Dinges gering veranschlagen müssen." (50) Daraus folgt, "daß ein erkennbarer Grad von Übereinstimmung zwischen den Bildern von x und x existieren muß, unabhängig von der kulturellen Determiniertheit des Bildermachens."(51)

Danto führt also die Erkenntnisse der Psychologie an, um klarzumachen, daß es etwas gibt, was zwischen Bild und Abgebildetem übereinstimmt, da sonst der Fall, daß ein Kind einen Gegenstand in einem Bild erkennt, obwohl es vorher diesen Gegenstand nur realiter sah, nicht eintreten könne.(52)

Anmerkungen

  1. Danto, Arthur C.: Depiction and Description. -in: Philosophy and Phenomenological Research. Vol. 43, 1982-83. S. 1-19. Übersetzt von Thomas Kisser und Karlheinz Lüdeking in: Boehm, Gottfried (Hrg.): Was ist ein Bild? München, 1995. Die letztere ist die hier benutzte Ausgabe, im folgenden abgekürzt mit "Danto: [Seite]".
  2. Das epische Theater, oder auch Teile des absurden und andere Aspekte des modernen Theaters sind wegen ihrer Selbstthematisierung auszuklammern, weil sie oft die Handlungswiedergabe problematisieren und dadurch auf Handlungsunmittelbarkeit verzichten, ja diese sogar versuchen auszuklammern.
  3. Danto bezieht sich dabei auf Platons Politeia, in der das Beispiel Ions, des Rhapsoden, gebracht wird. vgl.Danto: 126 oben, sowie Platon: Politeia 394 ff.
  4. Danto: 125; daß Danto im nächsten Satz Platons Unterscheidung zwischen Mimesis und Diegysis nur auf die Wörter bezieht, heißt nicht automatisch, daß die Art der Darstellung, wie sie durch Mimesis oder Diegysis vorge-nommen wird, nicht auch an bildlichen, dh. in diesem Fall: außerwortsprachlichen Gegebeneiten gemessen werden kann, was dann Danto unternimmt.
  5. Danto: 127
  6. vgl. Danto: 127; vgl. dazu: Eggert, Helmuth (Hrg.): G.C. Lichtenbergs ausführliche Erklärung der Hogarthi-schen Kupferstiche. Erfurt, 1949. -sowie: Meier-Gräfe, Julius: William Hogarth. München, 1907. Dort befinden sich die Kupferstichfolgen "The Rakes Process" (="Der Weg des Liederlichen"), sowie: "A Harlots Progress" (="Der Lebensweg der Dirne"). Ebenfalls damit zu vergleichen im Hinblick darauf, ob Bildrezeption mit Bildpro-duktion gleichzusetzen wäre, oder anders: ob das Reden über die Bilder den Gehalt der Bilder erst konstituiert, wäre die Auffassung Michael Bockemühls in: Bockemühl, Michael: Die Wirklichkeit des Bildes : Bildrezeption als Bildproduktion: Rothko, Newman, Rembrandt, Raphael. Stuttgart, 1985. -sowie der Versuch einer Rezension Bockemühls durch Bunge in: Bunge, Matthias: Die Wirklichkeit des Bildes. Eine kritische Auseinandersetzung mit Michael Bockemühls These von der "Bildrezeption als Bildproduktion". -in: Zeitschrift für Ästhetik und all-gemeine Kunstwissenschaft. Bd. 35 (1990). Bonn, 1990. S.131-189.
  7. vgl. Danto: 136 ff, vor allem die Rede vom "Bilderstrich" und die "Konzeption der Denotation" (Danto: 137 oben) Goodmans.
  8. Diese Frage stellt sich weniger in der Geschichtsschreibung von Dantos analytischer Geschichtsphilosophie, da im allgemeinen angenommen wird, daß die Geschichte kein sich selbst darstellender Organismus ist, z.B. ein absoluter Geist im Sinne Hegels, oder im Sinne eines sich in Kunstwerken selbst manifestierenden Kunstwollens, nach der Auffassung Riegls, oder verschärft: Sedlmayrs.
  9. zitiert wird im folgenden nach: Wittgenstein, Ludwig: Tractatus logico-philosophicus. Frankfurt a.M., 1963. -abgekürzt mit: "Wittgenstein: [Satz]"
  10. Bezeichnenderweise kann ich diese beiden Verben nur in Anführungszeichen einführen, da meine diegeti-schen Fähigkeiten angesichts der elementarsten Komponenten des Tractatus versagen und ich auf Mimesis zu-rückgreifen muß, zudem noch auf eine ziemlich primitive, um darzustellen, daß diese Verben eine wichtige Rolle spielen.
  11. Stenius, E.: Wittgenstein's Tractatus. A critical exposition of the main lines of thought. Oxford, 1960. -und: Stegmüller, Wolfgang: Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie. Bd.1. Stuttgart, 1975. -im folgenden abge-kürzt mit: "Stegmüller: [Seite]".
  12. Stegmüller: 555
  13. Stegmüller: 555
  14. Stegmüller: 556
  15. Danto: 126 f. Für diese kunstwissenschaftliche Zuspitzung dieser Frage gibt es bei Danto keinen expliziten Anhaltspunkt. Jedoch: Danto erwähnt selbst Hogarth; er grenzt die unvorgebildete Herangehensweise des die syntaktischen Zusammenhänge erforschenden "Laien" vom Beispiel "Leo Steinberg" ab und erwähnt diesen noch im Zusammenhang mit denjenigen seiner Kollegen, deren Rüstzeug "vorgefaßte Beschreibungen" seien. vgl. Danto: 127. Auch der von Danto verwendete Begriff der "piktorialen Kompetenz" scheint mir diese Fragestellung zu bestätigen: nimmt man "piktoriale Kompetenz" als Fähigkeit, Bildinhalte in eine Bildstruktur zu übertragen, kann man ja auch fragen, ob piktoriale Kompetenz ausreicht, aus der Bildstruktur die Bildinhalte rekonstruieren zu können, ohne so etwas wie Sekundärliteratur etc. heranziehen zu müssen.
  16. Im Original lautet dieses fragmentarisch wiedergegebene Zitat: "Kann eine Semantik des Bildes allen unse-ren Anforderungen an die Darstellung Genüge tun, ohne eine wie auch immer geartete Einschränkung des Dar-stellbaren?" Meine erste Lesart war: Ist diegetische Wortsprache durch visuelle Bilder ersetzbar?
  17. Danto: 127
  18. Danto spricht in seinem Aufsatz jedoch hauptsächlich mehr oder weniger gegenständliche Bildwerke an. Ob diese sich als Beispiel besonders gut eignen, oder ob die Sachlage bei ungegenständlichen Bildern anders aussieht, läßt er dahingestellt.
  19. Danto erwähnt in Danto: 125 Diegysis als "einfache Erzählung", schweigt sich aber über den Grad der Einfachheit genauso wie über den Grad dessen, was noch als abbildende Darstellung zu gelten hat, weitgehend aus ...
  20. Diese bildete sich ebenfalls vor allem in Wien mit den Kunsthistorikern Riegl und Sedlmayr aus.
  21. Man vergleiche dazu: Sedlmayr, Hans: Kunstgeschichte als Kunstgeschichte. -in: Sedlmayr, Hans: Kunst und Wahrheit. Mittenwald, 1978.
  22. Danto: 127 f
  23. vgl. Danto: 128
  24. vgl. Danto: 128 ff
  25. Danto dazu: Aus Bildern werden Kunstwerke, "wenn die immanentistische Theorie der Darstellung ver-blaßt und man die Bilder nicht länger betrachtet, als seien sie von heiligen Existenzen erfüllt, sondern in ihnen nur noch äußerliche Darstellungen in bildlicher Form zu sehen vermag. Die Grenzen der Kirche fungieren dann nicht mehr als Schwellen heiliger Bezirke, und die sakrale Architektur verwandelt sich in ein Museum bildender Kunst." Danto: 129
  26. vgl. Danto: 130
  27. Ich hoffe, der Begriff "unterliegen" ist selbst nicht auch immanentistisch mißzuverstehen.
  28. vgl. hierzu: "Man kann durchaus verstehen, daß Wittgenstein, für den der Satz im Tractatus [Hervorhebung durch Danto; d.V.] die zentrale Rolle spielte, versucht war, Sätze in einem bildlichen Sinne zu verstehen, einfach weil so eine immanentistische Theorie verfügbar war." Danto: 132
  29. Wittgenstein: 2.161
  30. Fragment der Sätze unter Wittgenstein: 4.03. Komplett heißt dieser Punkt: "Es liegt im Wesen des Satzes, daß er uns einen neuen Sinn mitteilen kann. Der Satz teilt uns eine Sachlage mit, also muß er wesentlich [Hervorhebungen durch Wittgenstein; d.V.] mit der Sachlage zusammenhängen. Und der Zusammenhang ist eben, daß er ihr logisches Bild ist."
  31. Danto: 133
  32. Danto: 133. Der fragmentarisch zitierte Satz Wittgensteins, nämlich Satz 2.17, heißt vollständig: "Was das Bild mit der Wirklichkeit gemein haben muß, um sie auf seine Art und Weise - richtig oder falsch - abbilden zu können, ist seine Form der Abbildung."
  33. Danto: 133
  34. vgl. Wittgenstein: 2.17
  35. Stegmüller: 544
  36. Danto: 133
  37. Wittgenstein: 4
  38. Danto: 134
  39. Danto: 137
  40. Die "Abbildtheorie der Sprache, des Gedankens und der Wirklichkeit", vgl. Danto: 135 f, wird an dieser Stelle nicht von mir behandelt, da dies zu weit führen würde und Danto m. E. Wittgenstein, was dessen Ausfüh-rungen über Hieroglyphenschrift anbelangt, diesen falsch versteht, da er ihm vorwirft, die Hieroglyphenschrift als eine Schrift aufzufassen, die ihre Denotate durch ikonische Zeichen darstelle.
  41. Danto: 137
  42. Wittgenstein: 4.024
  43. Danto: 138
  44. Danto: 139
  45. Danto: 139
  46. Wittgenstein: 4.021
  47. Danto: 143
  48. Danto: 143
  49. Danto: 144: Was diese Bildersprache darstellen könnte, "wäre auf das beschränkt, was man ohne weitere Lernvorgänge wahrnehmen könnte. [Mit Lernvorgängen ist vermutlich vor allem das Lernen durch Assoziation sowie durch diegetisches Erklären gemeint; d.V.] Eine Sprache, deren Gehalt darauf reduziert wäre, hätte freilich nicht viel zu sagen. Und Bilder, die nur soviel zeigten, würden nicht sehr viel zeigen."
  50. Danto: 140
  51. Danto: 144
  52. vgl. das Beispiel von Julian Hochberg in Danto: 140

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      Texte zu Kunst und Philosophie
      ISSN 1437-3777